Last Mile: Wasserqualität auf dem letzten Meter

Natürliches Mineralwasser wird direkt an der Quelle abgefüllt und so die Produktqualität bis zum Verzehr bewahrt. Bei Leitungswasser können die letzten Meter (Last Mile) von der Wasseruhr zum Hahn entscheidend für die Trinkwasserqualität sein.

 

 

In der Regel ist der Genuss von Trinkwasser aus dem Wasserhahn dank regelmäßiger Kontrollen unbedenklich. Auf dem Weg zum Verbraucher kann es kilometerlange Leitungen durchqueren, ohne dass die Qualität darunter leidet. Dennoch können auf der sogenannten „Last Mile“ bis zum Hahn über Leitungen und Armaturen die Reinheit und damit die Genussfähigkeit des Leitungswassers beeinträchtigt werden, beschreibt der Leitungswasserexperte Siegfried Gendries in seinem
Wasser-Blog über Risiken in der Hausinstallation. Dabei können fünf Faktoren die Qualität des Leitungswassers in der Hausinstallation beeinflussen: die Standzeit des Wassers in der Leitung, die Wasserleitung an sich, die Temperatur, den Siebeinsatz (Perlator) und der Partikelfilter.
Warum Leitungswasser nicht das bestkontrollierte Lebensmittel ist
Bundesumweltministerium warnt vor Stagnationswasser

Wenn Trinkwasser länger als vier Stunden in der Leitung steht, sprechen Experten von Stagnationswasser. Während dieser Zeit können sich Inhaltsstoffe aus dem Installationsmaterial in der Leitung lösen. Insbesondere bei Bleirohren, die noch in einigen Altbauten zu finden sind, ist das gefährlich. Eine erhöhte Konzentration von Blei im Wasser kann unter anderem zu schweren Nervenschäden führen. Aber auch andere Schwermetalle wie Kupfer, Cadmium oder Nickel können sich während der Standzeit lösen und so ein Risiko hinsichtlich der vollen uneingeschränkten Genusstauglichkeit darstellen.

Laut Empfehlung des Bundeumweltministeriums (BMU) soll Leitungswasser, das länger als vier Stunden in der Leitung gestanden hat, ohne ausreichenden Vorlauf weder für die Zubereitung von Speisen noch für Getränke genutzt werden.

Gefährliche Bleileitungen noch in Betrieb

Bleileitungen sind seit langem nicht mehr zulässig. Allerdings sind die verbauten Wasserleitungen in Deutschland laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts in der Regel 10 bis 50 Jahre alt. Da ihr Austausch in älteren Häusern mit einem erheblichen Aufwand verbunden ist, können die bis 1973 verbaute Bleileitungen durchaus noch Betrieb sein. Die Erkenntnisse über die Schädlichkeit von Blei, insbesondere bei Säuglingen und Ungeborenen, hat man erst mit den Jahren gewonnen. und deshalb den Grenzwert letztmals im Jahr 2013 auf 10 Mikrogramm reduziert.

Wasserbakterien mögen lauwarme Temperaturen

Die Anforderungen an einzuhaltende Temperaturen für Trinkwasser kalt und Trinkwasser warm sind in der DIN EN 806-L und in der DIN 1988-200 geregelt.

Wasserbakterien, insbesondere Legionellen, fühlen sich bei Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad am wohlsten. Warmwasser sollte deshalb 30 Sekunden nach Aufdrehen des Hahns mindestens 55 Grad warm sein. Wenn eine Erwärmungsanlage länger nicht genutzt wurde, ist zum Zwecke der thermischen Desinfektion eine Erwärmung auf mindestens 65 Grad notwendig. Kaltwasser sollte wiederum 30 Sekunden nach Aufdrehen des Hahns maximal 25 Grad haben, im Idealfall sogar nur 20 Grad. Werden die Anforderungen für Trinkwasser kalt und warm nicht eingehalten, so sind bauliche Maßnahmen zu ergreifen.

An Siebeinsätzen können sich Keime bilden

Bundesweit sind die Armaturen neuwertiger als die Leitungen. Der Studie des Fraunhofer-Instituts zufolge sind 70 bis 80 Prozent von ihnen nicht älter als zehn Jahre. In vielen Armaturen ist jedoch Nickel oder Blei verarbeitet worden. Jede zehnte Wasserprobe überschreitet laut dem Forschungsinstitut den Grenzwert für Nickel, das bei höheren Konzentationen bei Allergikern zu Hautbrennen und Juckreiz führen kann. Darüber hinaus können sich an den Kalkablagerungen in den Siebeinsätzen (Perlatoren) Keime bilden, wenn sie nicht regelmäßig abgeschraubt und ausgespült werden.

Partikelfilter brauchen regelmäßige Wartung

Ein weiteres Gesundheitsrisiko stellt ein ungereinigter Partikelfilter dar. Dieser befindet sich in der Regel am Hausanschluss und soll Stoffe wie Rostteilchen oder Sandkörner aus den öffentlichen Rohren zurückhalten. Es gibt rückspülbare und nicht rückspülbare Filter. Letztere sollten halbjährlich gewartet werden, wobei es vor allem wichtig ist, das Sieb richtig einzusetzen. Bei rückspülbaren Filtern sollte alle zwei Monate eine Rückspülung durchgeführt werden. Oft vergessen Hausbesitzer diese Arbeit aber. Wenn der Filter verstopft ist, finden Keime dort ideale Lebensbedingungen vor.

Strenge Kontrollen bei Mineralwasser und Leitungswasser

Für Mineralwasser als Lebensmittel sind sogenannte HACCP- Qualitätssicherungssysteme vorgeschrieben.  Darin werden die Messparameter und -frequenzen je nach Notwendigkeit für die einzelnen Betriebe festgelegt und dokumentiert, was die zuständigen Behörden überwachen. Auf Mikrobiologie und wichtige Leitparameter wird üblicherweise mindestens täglich, teilweise mehrmals pro Schicht, kontrolliert.  Darüber hinaus gelten für alle Mineralbrunnen 26 gesetzlich vorgeschriebene Grenz- und Orientierungswerte. Wenn diese sicher und dauerhaft unterschritten werden, wird Mineralwasser als einziges Lebensmittel in Deutschland amtlich anerkannt. Die Mineralbrunnen garantieren die hohe Qualität des Mineralwassers von der Quelle bis zum Verzehr.

Umfang und Qualität der Leitungswasserkontrollen sind rechtlich in der Trinkwasserverordnung genau definiert. Da Leitungswasser aus Grund- und Oberflächenwasser gewonnen wird, das Verunreinigungen aufweisen kann und daher zu Trinkwasser aufbereitet werden muss,  ist die Anzahl der geforderten Kontrollen besonders hoch. Allerdings könne die Wasserversorger die Qualität ihres Produkts jedoch nur bis zum Hausanschluss garantieren. Auf dem Weg von dort zum Hahn können zahlreiche Faktoren, wie Leitungsqualität, Wassertemperatur, stagnierendes Wasser in der Leitung (Stagnationswasser), Wasserpartikelfilter und die Düse am Hahn (Perlator) die Qualität des Wassers nachträglich beeinträchtigen.

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