Warum PET-Flaschen deutscher Mineralbrunnen nicht die Meere vermüllen

Das Rücknahmesystem der alkoholfreien Getränkeindustrie als Vorbild für Europa

Im Meer treibender Plastikmüll ist ein Problem. Doch die Plastikflaschen deutscher Mineralbrunnen leisten dazu keinen Beitrag. Vielmehr hat Deutschland mit dem bepfandeten Einweg- und Mehrwegpfandsystem einen vorbildlichen Kreislauf etabliert, der weltweit einzigartig ist. So werden laut Bundesumweltministerium 97 Prozent der Flaschen wiederverwertet. Eine wirksame Maßnahme zum Schutz der Weltmeere wäre deshalb eine Ausdehnung des deutschen Recyclingsystems auf ganz Europa.

Wer den Menschen in Deutschland suggerieren will, dass Getränkeverpackungen der deutschen Mineralbrunnen, ob Mehr- oder Einweg, einen Beitrag zur Plastikvermüllung der Weltmeere leisten, verbreitet bewusst Falschmeldungen. Mit einer Recyclingquote von 97 Prozent, gemäß einer Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM), sind Flaschen der alkoholfreien Getränkeindustrie in Deutschland weder für das Littering noch für die Verschmutzung der Weltmeere verantwortlich.

Im Gegenteil: Das in unserem Land für Verpackungssysteme der Getränkeindustrie praktizierte weltweit vorbildliche Mehrweg- und Rücknahmesystem und das damit verbundene Recycling gelten im internationalen Maßstab, auch bei unseren Nachbarländern in Europa, als Musterbeispiel für proaktive Abfallvermeidung. Die Vermüllung von Siedlungsgebieten, Landschaften, Gewässern und Meeren wird dadurch wirksam vermieden. Für die Installation des national flächendeckenden Rückführungssystems haben Handel, Industrie und die Recyclingwirtschaft nicht zuletzt auf staatliche Initiative (Pflichtpfand) einen Milliardenbetrag investiert. Nur durch ein solch aufwendiges System können Recyclingquoten von 97 Prozent realisiert werden.

Verbesserungswürdige Recyclingquote beim Gelben Sack

Das Material von im Handel gesammelten PET- Mineralwasserflaschen ist nach Ansicht von Dr. Frank Welle, Chemiker am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, im Gegensatz zu den verschiedenartigen Kunststoffen aus dem Gelben Sack hochwertig. Es ist sortenrein, theoretisch unendlich wiederverwertbar und damit ein Rohstoff, der auf dem Weltmarkt gehandelt wird. PET-Flaschen sind hinsichtlich der Recyclingquote nicht gleich PET-Flaschen. Während eine pfandpflichtige PET-Mineralwasserflasche über das im Handel installierte System gesammelt und anschließend nahezu zu 100 Prozent sortenrein recycelt wird, landen beispielsweise die ebenfalls aus PET bestehenden unbepfandeten Sirupflaschen von Sodastream oder die unbepfandeten PET-Flaschen der Putz- und Reinigungsmittelhersteller im Gelben Sack. Die darin gesammelten Kunststoffe bestehen aus verschiedenartigen Sorten, teilweise aus Multilayer-Materialien (Hersteller verkleben für ihre Verpackung verschiedene Plastikarten), was das sortenreine Recycling erschwert bzw. bei Multilayer unmöglich macht.

Im Vergleich zum PET-Recycling der Mineralwasserflaschen werden Milliarden von Joghurt- und Coffee-to-go-Bechern über den Gelben Sack noch nicht einmal annähernd zu 50 Prozent recycelt. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, Heft 4/2019 streiten sich die Experten, ob die Recyclingquote bei 39 Prozent oder sogar nur bei 17,3 Prozent liegt. Der BUND-Plastikatlas 2019 geht sogar nur von 15,6 Prozent aus. Der Großteil des im Gelben Sack gesammelten Kunststoffes wird verbrannt. Der Rest wird ins Ausland exportiert beziehungsweise nach Übersee, vor allem Malaysia. verschifft. Von einer Kreislaufwirtschaft kann kaum gesprochen werden.

Ursachenadäquate Politik zur Plastikvermeidung und zur Generierung einer verbesserten Kreislaufwirtschaft müsste eigentlich zuerst bei der Lösung der Probleme des Gelben Sacks (Reduzierung des Plastikaufkommens, Steigerung des Recyclinganteils, Vermeidung der Müllexporte etc.) ansetzen und nicht bei den durch ein intaktes Recyclingsystem sich auszeichnenden Flaschen der deutschen Mineralbrunnenbranche.

Die Vorstellung, Mineralbrunnenflaschen aus Deutschland vermüllen die Weltmeere, ist absurd

Eine aktuelle Mineralwasserstudie, die die Initiative „Dialog Natürliches Mineralwasser“, Bonn, mit dem renommierten Institut Kantar TNS, Hamburg, durchgeführt hat, kommt im April 2019 zu dem Ergebnis, dass mehr als 66 Prozent der deutschen Verbraucher glauben, deutsche Mineralwasserflaschen aus PET verschmutzen die Weltmeere. Ein Ergebnis, das u.a. in hohem Maße auf weit verbreitete und erschreckende Bilder von massiver Meeresvermüllung und deren tödlichen Folgen für viele Meerestiere zurückzuführen ist. Frank Welle, Chemiker am Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in München-Freising, hält die Bilder von Plastiktüten im Meer, mit denen Umweltschützer in Deutschland zu Spenden aufrufen, als würde deutscher Müll in Massen da herumschwirren für irreführend. Er sagt in einem ZEIT-Magazin-Artikel (10/2018): „Die Vorstellung Flaschen oder Tüten aus Deutschland landeten in den Weltmeeren ist absurd. Die meisten Abfälle stammen aus Schwellen- und Entwicklungsländern, die direkten Zugang zu den großen Meeren haben.“

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