Projekt „Refill“: Gut gemeint aber nicht immer gut gemacht!

Die Refill-Bewegung bietet aktuell in fast 5.000 Orten in Deutschland den Verbrauchern die Möglichkeit an, einfach Leitungswasser in mitgebrachte Flaschen zum Trinken kostenlos abzufüllen. Überwiegend Einzelhandelsgeschäfte, die durch einen blauen Refill-Aufkleber gekennzeichnet sind, erklären sich großzügig bereit, Menschen ihre mitgeführten Trinkflaschen aufzufüllen. Das klingt komfortabel und kundenfreundlich – aber die Risiken der Wasserqualität werden komplett ausgeblendet.

Auch wenn das Wasser kostenlos abgegeben wird, tragen die Leitungswasser abgebenden Einzelhandelsunternehmen und nicht die Wasserversorger die Produktverantwortung für die Qualität des abgegebenen Wassers. „Refill Deutschland“ weist sogar ausdrücklich auf ihrer Website darauf hin, dass vonseiten der Non-Profit-Organisation die Hygiene nicht geprüft wird. Der Refill-Konsument kennt in der Regel weder die Leitungswasserqualität noch die hygienischen Verhältnisse im Hausleitungsnetz oder am Wasserhahn. Zumeist weiß er noch nicht einmal, aus welchem Wasserhahn das Wasser für ihn entnommen wird.

Während der Verbraucher bei der Wasserversorgung über die Refill-Station den vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) unter dem Begriff „Last Mile“ zusammengefassten Risikofaktoren der Hausleitung von der Wasseruhr bis zum Wasserhahn in vollem Umfang ausgesetzt ist, trinkt er mit jeder Flasche Mineralwasser ein Naturprodukt mit höchster Produktsicherheit.

Hingegen kann die Hausinstallation Risiken bergen, die die Wasserqualität des Leitungswassers nachhaltig beeinflussen. Insbesondere der Zustand der Leitungen, des Hauspartikelfilters und der Perlatoren (Strahlregler am Wasserhahn) sowie nicht zuletzt die Verweildauer des Wassers in den Leitungen (Stagnationswasser genannt) sind hier zu nennen. Deshalb gilt: „Trinkwasser, das länger als vier Stunden in der Trinkwasser-Installation stagniert hat, sollt nicht zur Zubereitung von Speisen und Getränke genutzt werden“, so das Bundesumweltministerium (BMU) auf seiner Website zum Thema Trinkwasser

Neben den Last-Mile-Risikofaktoren kann es bei Trinkflaschen, die selbst befüllt werden, aufgrund unzureichender Reinigung zu hygienischen Problemen kommen. Vor allem nicht für Lebensmittel geeignete Kunststoff-Flaschen können schädliche Substanzen wie Bisphenol A und Weichmacher abgeben. Mineralwasser aus den PET-Flaschen der deutschen Mineralbrunnen kann hingegen bedenkenlos getrunken werden, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt.

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