Öffentliche Trinkbrunnen: Das SGS Institut Fresenius deckt oberirdische Verunreinigungen auf

Wasseruntersuchung unter verbraucherüblichen Konsumbedingungen

Trinkbrunnen werden in Deutschland immer beliebter und immer mehr werden errichtet. Sie bieten eine kostenlose Möglichkeit, sich mit Trinkwasser zu versorgen. Die Qualität des Trinkbrunnenwassers ist mit der hohen Reinheit eines in Flaschen abgefüllten Mineralwassers nicht unbedingt vergleichbar.

Trinkbrunnen werden zunehmend im öffentlichen Raum installiert, um in den frostfreien Monaten von April bis September Einwohnern und Touristen die Möglichkeit einer kostenlosen Erfrischung mit Leitungswasser zu bieten. Trinkbrunnen werden meist von Stadt- oder Gemeindeverwaltungen sowie den Wasserversorgern aufgestellt. Die meisten dieser Brunnen verfügen über ein zusätzliches Auffangbecken, das als Abfluss fungiert.

Trinkwasserbrunnen werden in der Regel im Freien aufgestellt und besitzen keine Kühleinrichtungen. Das aus dem öffentlichen Leitungsnetz stammende Leitungswasser muss regelmäßig nachlaufen, um qualitative Beeinträchtigungen zu vermeiden. Regelmäßige und intensive Reinigung und Wartung sind notwendig, um ein genusstaugliches Wasser anbieten zu können.

Eine im Sommer 2019 von dem renommierten SGS Institut Fresenius im Auftrag des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) durchgeführte Trinkwasserstudie kommt bei elf untersuchten, frei zugänglichen, öffentlichen Trinkstellen zu interessanten Ergebnissen. Die Probenahmen wurden ohne jegliche Desinfektion der Armaturen durchgeführt. Bei der Wahl dieses Probenahmeverfahrens lag der Fokus darauf, wie auch der Verbraucher das Wasser zum Trinken entnehmen würde. Die Proben wurden mikrobiologisch und chemisch im SGS Institut Fresenius mit den gängigen, meist akkreditierten Methoden untersucht.

Hinsichtlich der Gesamtkeimzahlen und Schwermetalle wiesen die untersuchten öffentlichen Trinkbrunnen keine Grenzwertverletzungen auf. Es ist davon auszugehen, dass der ständige Wasserfluss Bakterien und andere Rückstände aus den Leitungen spült und die dauerhafte Ansiedlung von Mikroorganismen behindert.

 

In zwei von elf Trinkbrunnen wurden fakultativ pathogene Keime nachgewiesen

Eine der elf Trinkstellen wurde positiv auf Coliforme Keime getestet. Zwei Trinkstellen enthielten fakultativ pathogene Keime. Coliforme Keime sind ein Hinweis auf hygienische Verunreinigungen und dürfen nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung nicht in Wasser für den menschlichen Gebrauch enthalten sein. Bei fakultativ pathogenen Keimen handelt es sich um Bakterien, die für schwer immungeschwächte Menschen ein gesundheitliches Risiko darstellen können.

 

In fast jedem zweiten Trinkbrunnen wurden Röntgenkontrastmittel nachgewiesen

Deutlich negativer sah das Ergebnis bei den „Emerging Contaminants“ aus. Unter dieser Bezeichnung werden oberirdische Verunreinigungen wie Arzneimittelrückstände, Pestizidmetabolite, Röntgenkontrastmittel oder Korrosionsschutzmittel zusammengefasst. Für die amtliche Anerkennung von natürlichem Mineralwasser wird bei diesen Substanzen aufgrund fehlender Grenzwerte häufig auf einen strengen Orientierungswert von 0,05 Mikrogramm pro Liter zurückgegriffen, um die Geschütztheit der Quellen zu beurteilen. In 45 Prozent der Proben aus den öffentlich zugänglichen Trinkbrunnen waren Röntgenkontrastmittel nachweisbar. Die höchst gemessenen Gehalte lagen mit 0,25 Mikrogramm pro Liter um das Fünffache über dem für Mineralwasser relevanten Orientierungswert. Darüber hinaus wurden bei 27 Prozent der Proben Korrosionsschutzmittel bis zu maximalen Befunden von 0,11 Mikrogramm pro Liter nachgewiesen.

Das Auftreten von „Emerging Contaminants“ in Leitungswasser als Folge von anthropogenen Einträgen ist bekannt. Die Entfernung dieser Substanzen aus dem Wasser ist zum Teil schwierig und mit hohen Kosten verbunden. Es existieren bisher keine Grenzwerte in der für Trinkbrunnen gültigen Trinkwasserverordnung und die genannten Rückstände werden bisher im angeblich am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland nicht systematisch bestimmt.

Die parallel untersuchten Mineralwässer waren hinsichtlich anthropogener Einflüsse überhaupt nicht belastet.

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