Leitungswasser testen: Warum Testkits zur Qualitätskontrolle fragwürdig sind

Die am Markt verfügbaren Produkte zur Überprüfung der Leitungswasserqualität sind nur bedingt aussagekräftig. Mit ihrer Hilfe sind bei den einfachen Tests lediglich chemisch-physikalische Analysen möglich. Eine mikrobiologische Untersuchung können sie hingegen nicht leisten. Diese wäre jedoch notwendig, da Bakterien die Trinkwasserqualität erheblich verringern können. Dementsprechend liefern Testkits und Teststreifen nur lückenhafte Aussagen darüber, ob das Leitungswasser schadstoffbehaftet ist oder nicht.

Zahlreiche Anbieter von Leitungswassertests werben damit, wie einfach mit ihren Produkten die Überprüfung des Leitungswassers zuhause ist. Dies kann zum Beispiel in Form eines Teststreifens erfolgen. Dieser wird ins Leitungswasser gehalten und anhand eines Beilegzettels kann der Nutzer dann selbst die heimische Wasserqualität ablesen. Oder er entnimmt selbst eine Probe vom Wasserhahn und schickt diese an das dazugehörige Labor. Nach ein paar Tagen erhält er dann das Prüfergebnis seiner Wasserqualität. Das Problem: Die Tester werden hier in einer falschen Sicherheit gewogen. Denn es handelt sich bei diesen Wassertests fast immer um chemisch-physikalische Analysen – und nicht auch um mikrobilogische Untersuchungen. Auch ausgewählte kritische Stoffe oder oberirdische Verunreinigungen, die zur abgesicherten Beurteilung der Leitungswasserqualität unerläßlich sind, werden in der Regel nicht untersucht.

 

Die meisten angebotenen Tests können die hohe Erwartungshaltung nicht halten

Wer als Verbraucher glaubt, dass ein Test seines Leitungswassers mit verschiedenen Teststreifen ihm fundierte Auskunft über die Genußtauglichkeit seines Wassers gibt, unterliegt einer völligen Irreführung. Sowohl diese Tests, die bereits ab 9,99 Euro angeboten werden als auch Tests, die sich ausschließlich auf ausgewählte leicht testbare Parameter wie Schwermetalle, Mineralstoffe, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit und Wasserhärte etc. fokussieren und teilweise zu Aktionspreisen zwischen 49 und 99 Euro angeboten werden, machen keine Aussage zur wichtigen mikrobiologischen Reinheit des Leitungswassers, die durch die Risikofaktoren in der Hausinstallation einer besonderen Gefährdung unterliegt. Auch über eine mögliche Belastung des Leitungswassers mit kritischen Stoffen (Nitrat, Chrom VI Vanadium etc.) und oberirdische Vereunreinigungen (Arzneimittel, Pflanzenschutzmittel, Süßstoffe etc.) können diese einfachen Tests keine Aussagen machen.

Erst sogenannte Premiumtests, die in der Regel über 200 Euro liegen, umfassen neben der Bestimmung der Schwermetalle (Blei, Nickel, Kupfer etc.) auch eine Analyse der kritischen Stoffe und eine mikrobiologische Prüfung, wobei die finale Bestimmung möglicher gefundener Keime in der Regel noch nicht im Preis enthalten ist.

Aussagefähige Tests, die zusätzlich auch die Belastungen des Leitungswassers mit oberirdischen Verunreinigungen beurteilen können, kosten je nach Anzahl der zu untersuchenden Parameter nochmals deutlich mehr (ca. 200,00 €).

Die in der untenstehenden Graphik aufgeführten Untersuchungsparameter geben einen Überblick über alle relevanten Kriterien, die für eine umfassende Beurteilung der Leitungswasserqualität notwendig sind.

 

Umweltbundesamt stellt Testergebnisse infrage

Deshalb zweifelt auch das Umweltbundesamt die Richtigkeit solcher Testergebnisse an. Grund dafür ist, dass die Proben von Privatleuten und nicht von akkreditierten Experten entnommen und eingesandt werden. Die Behörde befürchtet, dass aufgrund von unsachgemäßer Handhabung die Vergleichbarkeit nicht gegeben ist. Auch wegen der fehlenden mikrobiologischen Untersuchung ist ein Selbsttest oder ein Testkit kein Ersatz für eine umfassende Analyse eines akkreditierten Labors, das die Kriterien der Trinkwasserverordnung nach definierten Prozessabläufen überprüft.

 

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