Darum werden Leitungs- und Mineralwasser unterschiedlich untersucht

Viele Kontrollen sind kein Qualitätsmerkmal

Leitungswasser gilt gemeinhin als das bestkontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Doch die vielen Kontrollen sind kein Qualitätsmerkmal. Vielmehr handelt es sich um eine Notwendigkeit, damit der Verbraucher das Leitungswasser in einem genusstauglichen Zustand bedenkenlos trinken kann. Denn Leitungswasser muss zunächst gereinigt und aufwendig aufbereitet werden. Das macht es zu einem „technischen“ Lebensmittel. Im Gegensatz dazu zeichnet sich Mineralwasser durch seine ursprüngliche Reinheit und die Herkunft aus geschützten, unterirdischen Wasservorkommen aus. Deshalb unterscheiden sich die Kontrollen bei den beiden Wasserarten deutlich.

Umfang und Qualität der Leitungswasserkontrollen sind rechtlich in der Trinkwasserverordnung genau definiert. So muss ein kleiner Wasserversorger pro Jahr vier routinemäßige und eine umfassende Analyse durchführen, bei einem mittleren Versorger sind es 76 beziehungsweise sechs und bei einem großen Versorger sind es 376 beziehungsweise 20 Untersuchungen. Tatsächlich wird in vielen Fällen deutlich häufiger untersucht. Die Wasserversorger garantieren die Qualität ihres Produkts jedoch nur bis zum Hausanschluss. Auf dem Weg von dort zum Hahn können zahlreiche Faktoren, wie Leitungsqualität, Wassertemperatur, stagnierendes Wasser in der Leitung (Stagnationswasser), Wasserpartikelfilter und die Düse am Hahn (Perlator) die Qualität des Wassers beeinträchtigen. Von bestkontrolliertem Lebensmittel kann unter Berücksichtigung der genannten Risiken und dem Verbraucherverständnis, dass diese Aussage bis zum unmittelbaren Verzehr am Hahn gilt, nicht die Rede sein.

Mehr Untersuchungen führen nicht zu besserer Qualität

In der Mineral- und Trinkwasserverordnung ist keine Mindesthäufigkeit von Analysen definiert. Vielmehr müssen Mineralbrunnen seit Mitte der 1990er-Jahre ein HACCP- Qualitätssicherungssystem installiert haben. Darin werden die Messparameter und -frequenzen je nach Notwendigkeit für die einzelnen Betriebe festgelegt und dokumentiert, was die zuständigen Behörden überwachen. Auf Mikrobiologie und wichtige Leitparameter wird mindestens täglich, teilweise mehrmals pro Schicht, kontrolliert.  Darüber hinaus gelten für alle Mineralbrunnen 200 gesetzlich vorgeschriebene Einzelparameter. Wenn diese erfüllt sind, wird Mineralwasser als einziges Lebensmittel in Deutschland amtlich anerkannt.

Trinkwasser wird in Deutschland zu etwa zwei Dritteln aus Grundwasser und zu einem Drittel aus Oberflächenwasser (Flüsse, Seen, Talsperren) gewonnen. Um es genießbar zu machen und es den gesetzlichen Anforderungen entsprechen zu lassen, ist häufig der Einsatz zahlreicher Aufbereitungsverfahren notwendig, für die mehr als 90 Aufbereitungsstoffe für mehr als 30 Anwendungszwecke zur Verfügung stehen. Da sich nach der Wasseraufbereitung noch Reste dieser je nach Zustand des Rohwassers eingesetzten Chemikalien wie Chlor, Ozon etc. im Wasser befinden können, müssen ständig chemische Wasseranalysen gemacht und Grenzwerte kontrolliert werden, die für das Naturprodukt Mineralwasser, das bereits an der Quelle völlig einwandfrei und genusstauglich sein muss, anwendbar sind.

Grenzwerte sind nicht identisch

Die festgelegten Leitungswasser-Grenzwerte sind nicht ernährungsphysiologisch und nur zum Teil gesundheitlich begründet. Technologische Erfordernisse sind hier maßgebend. Denn es dürfen weder im weit verzweigten Rohrleitungsnetz die Leitungen korrodieren noch darf es den verschiedensten Verwendungszwecken, wie Trinken (5 Prozent), Kochen, Körperpflege, Spülen, Waschen, Putzen, Toilettenspülung entgegenstehen. Einem zu kalkhaltigen Leitungswasser wird ein Teil des Calciums vor Abgabe in die Haushalte entzogen, um eine für die wasserführenden Hausgeräte verträgliche Wasserhärte zu erreichen. Solche Eingriffe in das Wasser sind bei dem Naturprodukt Mineralwasser strengstens verboten.

Die Liste der einzuhaltenden Grenzwerte ist deshalb bei Leitungswasser entsprechend lang und die Anzahl der Kontrollen besonders hoch. Soweit sie die Gesundheit der Konsumenten betreffen, sind die gesetzlichen Vorgaben bei Leitungswasser- und Mineralwasser so gut wie identisch. Beide Produkte sind als sicher einzustufen und können unbedenklich genossen werden, obwohl sie unterschiedliche produktspezifische Grenzwerte erfüllen müssen. Bei Mineralwasser leiten sie sich aus den Erfordernissen der ursprünglichen Reinheit ab, bei Leitungswasser aus der Herkunft, der Aufbereitung, dem Rohrleitungstransport und den technischen Verwendungszwecken. Derartige Grenzwerte sind beim Mineralwasser gegenstandslos.

 

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