Darum werden Leitungs- und Mineralwasser unterschiedlich untersucht

Viele Kontrollen sind kein Qualitätsmerkmal

Leitungswasser gilt gemeinhin als das bestkontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Doch die vielen Kontrollen sind nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Vielmehr handelt es sich um eine Notwendigkeit, damit der Verbraucher das Leitungswasser in einem genusstauglichen Zustand bedenkenlos trinken kann. Denn Leitungswasser muss zunächst gereinigt und aufwendig aufbereitet werden. Das macht es zu einem „technischen“ Lebensmittel. Im Gegensatz dazu zeichnet sich Natürliches Mineralwasser durch seine ursprüngliche Reinheit und die Herkunft aus geschützten, unterirdischen Wasservorkommen aus. Deshalb unterscheiden sich die Kontrollen bei den beiden Wasserarten deutlich.

Umfang und Qualität der Leitungswasserkontrollen sind rechtlich in der Trinkwasserverordnung genau definiert. Allerdings garantieren die Wasserversorger die Qualität ihres Produkts jedoch nur bis zum Hausanschluss. Auf dem Weg von dort zum Hahn können zahlreiche Faktoren, wie Leitungsqualität, Wassertemperatur, stagnierendes Wasser in der Leitung (Stagnationswasser), Wasserpartikelfilter und die Düse am Hahn (Perlator) die Qualität des Wassers beeinträchtigen. Vom am besten kontrollierten Lebensmittel kann unter Berücksichtigung der genannten Risiken und dem Verbraucherverständnis, dass diese Aussage bis zum unmittelbaren Verzehr am Hahn gilt, nicht die Rede sein.

Mehr Untersuchungen führen nicht unbedingt zu besserer Qualität

In der Mineral- und Trinkwasserverordnung ist keine Mindesthäufigkeit von Analysen definiert. Vielmehr müssen Mineralbrunnen seit Mitte der 1990er-Jahre ein HACCP- Qualitätssicherungssystem installiert haben. Darin werden die Messparameter und
-frequenzen je nach Notwendigkeit für die einzelnen Betriebe festgelegt und dokumentiert, was die zuständigen Behörden überwachen. Auf Mikrobiologie und wichtige Leitparameter wird üblicherweise mindestens täglich, teilweise mehrmals pro Schicht, kontrolliert.  Darüber hinaus gelten für alle Mineralbrunnen 26 gesetzlich vorgeschriebene Grenz- und Orientierungswerte. Wenn diese sicher und dauerhaft unterschritten werden, wird Mineralwasser als einziges Lebensmittel in Deutschland amtlich anerkannt.

Trinkwasser wird in Deutschland zu etwa zwei Dritteln aus Grundwasser und zu einem Drittel aus Oberflächenwasser (Flüsse, Seen, Talsperren) gewonnen. Um es genießbar zu machen und es den gesetzlichen Anforderungen entsprechen zu lassen, ist laut Umweltbundesamt (Bekanntmachung der Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß §11 der Trinkwasserverordnung vom 21. Dezember 2019) häufig der Einsatz zahlreicher Aufbereitungsverfahren notwendig, für die mehr als 90 Aufbereitungsstoffe und 9 Desinfektionsverfahren zur Verfügung stehen. Da sich nach der Wasseraufbereitung noch Reste dieser nach Zustand des Rohwassers eingesetzten Chemikalien wie Chlor, Ozon etc. im Wasser befinden können, müssen ständig chemische Wasseranalysen gemacht und Grenzwerte kontrolliert werden. Das Ergebnis ist ein Wasser, das alles ist, nur nicht naturbelassen

Für das Naturprodukt Mineralwasser, das bereits an der Quelle eine einwandfreie Qualität aufweist und nicht aufbereitet wird, ist das nicht erforderlich. Natürliches Mineralwasser darf nur eingeschränkt behandelt werden, Physikalische Verfahren und Ozon sind erlaubt, um Eisen, Schwefel, Mangan und Arsen aus dem Wasser zu entfernen. Kohlensäure darf ebenfalls entzogen aber auch hinzugefügt werden.

Grenzwerte sind nicht identisch

Die festgelegten Leitungswasser-Grenzwerte sind nicht ernährungsphysiologisch und nur zum Teil gesundheitlich begründet. Technologische Erfordernisse sind hier maßgebend. Denn es dürfen weder im weit verzweigten Rohrleitungsnetz die Leitungen korrodieren noch darf die Zusammensetzung des Trinkwassers den verschiedensten Verwendungszwecken, wie Trinken (5 Prozent), Kochen, Körperpflege, Spülen, Waschen, Putzen, Toilettenspülung entgegenstehen. Einem zu kalkhaltigen Leitungswasser wird ein Teil des Calciums vor Abgabe in die Haushalte entzogen, um eine für die wasserführenden Hausgeräte verträgliche Wasserhärte zu erreichen. Solche Eingriffe in das Wasser sind bei dem Naturprodukt Mineralwasser strengstens verboten.

Die Liste der einzuhaltenden Grenzwerte ist deshalb bei Leitungswasser entsprechend lang und die Anzahl der geforderten Kontrollen besonders hoch. Soweit sie die Gesundheit der Konsumenten betreffen, sind die gesetzlichen Vorgaben bei Leitungswasser- und Natürlichem Mineralwasser so gut wie identisch. Beide Produkte sind als sicher einzustufen und können unbedenklich genossen werden, obwohl sie unterschiedliche produktspezifische Grenzwerte erfüllen müssen. Bei Mineralwasser leiten sie sich aus den Erfordernissen der ursprünglichen Reinheit ab, bei Leitungswasser aus der Herkunft, der Aufbereitung, dem Rohrleitungstransport und den technischen Verwendungszwecken. Derartige Grenzwerte sind beim Mineralwasser gegenstandslos.

 

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