Coronavirus: Was Hausbesitzer jetzt über die Leitungswasserqualität wissen müssen

„Leitungswasser ist sehr gut gegen alle Viren, einschließlich des neuartigen Coronavirus geschützt und kann bedenkenlos getrunken werden. Eine Übertragung des Coronavirus über die öffentliche Trinkwasserversorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich“, so das Umweltbundesamt zum Thema Coronavirus. Auch wenn eine Übertragung des Coronavirus nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich ist, so kann die Qualität des Leitungswassers in Folge des „Lockdowns“ stark beeinträchtigt werden. Die Beeinträchtigung tritt in allen Gebäuden auf, in denen das Leitungswasser nicht bewegt oder aufgrund betrieblichen Stillstands nur unregelmäßig genutzt wird. Insbesondere das nicht ablaufende Stagnationswasser – einer der Risikopotenziale der „Last Mile” – kann zur Verkeimung des Leitungswassers in der Hausinstallation führen. Corona, so der Leitungswasserexperte Siegfried Gendries, macht das Handeln der Hausbesitzer jetzt noch wichtiger und dringlicher.

Die restriktiven Vorgaben von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Infektionen haben vielerorts die Schließung oder zumindest starke Nutzungseinschränkung zahlreicher Einrichtungen zur Folge. Dazu gehören Schulen, Kindertagesstätten, Sportanlagen und insbesondere auch Zweit- und Ferienwohnungen sowie Ferienhäuser. Durch das Schließungsgebot ist der bestimmungsgemäße Betrieb von Leitungswasserinstallationen nicht mehr gegeben. Der bei der Planung zugrunde gelegte regelmäßige Austausch in den Wasserleitungen ist aufgrund der Corona bedingten Betriebsunterbrechung nicht mehr sichergestellt. Nach Ansicht des Deutschen Vereins der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene e.V. (DVQST) aus Höpfingen führt das zu Stagnationsbedingungen und erhöht damit das Risiko mikrobieller Verkeimung mit Legionellen und anderen pathogenen Keimen im Trinkwasser stark.

Mit diesen Maßnahmen wird die Leitungswasserqualität gesichert

Was ist zu tun? Für alle Trinkwasserentnahmestellen wie zum Beispiel Wasserhähne und Duschen in Gebäuden oder Gebäudeteilen muss eine bestimmungsgemäße Nutzung simuliert werden, indem alle Entnahmestellen alle 72 Stunden mindestens bis zum Erreichen der Temperaturkonstanz genutzt bzw. gespült werden, damit das in den Leitungen befindliche Trinkwasser ausgetauscht wird.

Bei Wiederinbetriebnahme nach spätestens sieben Tagen genügt es, das Wasser mindestens fünf Minuten fließen zu lassen. Wichtig, so der DVQST, ist hierbei, mehrere Entnahmestellen gleichzeitig zu öffnen, um für eine genügend starke Durchströmung der Verteilleitungen zu sorgen. Die Spülung sollte getrennt sowohl in der Kalt- als auch in der Warmwasserleitung durchgeführt.

Bei längeren Betriebsunterbrechungen ab vier Wochen sollte die Wasserversorgung generell abgesperrt und die Zirkulationspumpe abgeschaltet werden. Bei Wiederinbetriebnahme nach maximal vier Wochen ist ein vollständiger Wasseraustausch an allen Entnahmestellen durch Spülung mit Wasser nach Vorgaben des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, Arbeitsblatt 557) für Kalt- als auch Warmwasserleitungen durchzuführen.

Der Landessportbund Hessen empfiehlt allen Sportanlagenbetreibern darüber hinaus, zusätzliche mikrobiologische Kontrolluntersuchungen auf allgemeine Keimzahl und Legionellen in Zusammenarbeit mit zugelassenen Institutionen durchzuführen, da gerade die weit verzweigten Rohrleitungssysteme von Sportstätten gefährdet sind.

Nicht die Wasserversorger, sondern die Hausbesitzer und -betreiber sind in der Verantwortung

Mit Nachdruck weist der Leitungswasserexperte Siegfried Gendries in seinem aktuellen Wasser-Blog daraufhin, dass nicht die Wasserversorger, sondern die Hausbesitzer oder -betreiber in der Verantwortung stehen, dass die gesetzlich gesicherte Trinkwasserqualität weder durch Fehlverhalten noch durch andere Unzulänglichkeiten beeinträchtigt wird, d.h. der Hausbesitzer muss bei Nicht-Nutzung der Trinkwasserinstallationen selber spülen.

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